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KLETBA HILDEBERTOVA

Pavel Spunar
Listy filologické / Folia philologica
Roč. 79, Čís. 2 (1956), pp. 178-186, I-II
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/23460180
Page Count: 11
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KLETBA HILDEBERTOVA
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Abstract

Der Kodex Praha Kapit. A 21/1 zog bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit der Kunsthistoriker auf sich. Das Interesse der Forscher erweckte die seltene Form des Explicits, das die Angaben über den Schreiber nicht mit Worten sondern in Bildform ausdrückt: hinter dem Schluß des Textes auf f. 13 aβ (der Codex enthält den ersten Teil des Augustinischen Traktats De civitate dei [Pl 41, 13–348]) befindet sich eine gezeichnete Szene, die angibt, daß den Codex Hildebertus schrieb, dem bei der Zeichnung des Ornaments der junge Ewerwinus half. Der mit dem Namen bezeichnete Schreiber sitzt an einem hohen Schreibpult, auf dem ein Buch liegt, und wendet sich dem Tisch (mensa Hildeberti) zu, da ihn eine Maus stört, die zwischen der Speise und den Schüsseln ihr Unwesen treibt, die Schüssel mit dem Huhn heruntergeworfen hat und nun an dem Brot knabbert. Hildebert hat einen Bimsstein ergriffen und will ihn nach dem Tier werfen. In dem aufgeschlagenen Buch ist der Fluch zu lesen, der seinem Mund entschlüpft: Pessime mus, sepius me provocas ad iram, ut te deus perdat. Alle Forscher hatten bisher die Inschrift in dem aufgeschlagenen Buch als ein Autograph des Hildebertus angesehen, der ihrer Meinung nach nicht nur der Schreiber des eigentlichen Textes im Codex (Sinn des Explicits) und Autor der Explicitszene auf f. 153 aβ war (Komparation mit den Illuminationen im Horologium Olomucense [Stockholm, Theol. Mss. A 144], wo sich der Illuminator H/ILDEVERVS/PICTOR unterschrieb), sondern auch der Urheber der Inschrift „Pessime mus...“. Diese Ansicht kann bei einer paläographisch-kritischen Betrachtungsweise nicht bestehen. Während die Personennamen und die Worte Mensa Hildeberti von derselben Hand geschrieben wurden wie der eigentliche Text des Kodex, stammt der zitierte Fluch von anderer Hand. Dafür sprechen folgende wichtige Abweichungen von der prima manus des Hildebertus: 1. Der Schreiber verwendet nur die Unicialformen des Buchstaben d; 2. nur die abgerundeten Formen des Buchstaben s; 3. den Buchstaben v für den Vokal u inmitten des Wortes; 4. beim Wortanfang inmitten des Satzes den Unicialtyp des Buchstaben m. Diese Feststellungen lassen zwei grundsätzliche Fragen entstehen: 1. wann erfolgte die Eintragung des Fluches, 2. welche Folgen ergeben sich aus der Feststellung einer zweiten Hand in der Szene des Explicits? 1. Für die Datierung der Fluchinschrift ist die Verwendung des abgerundeten s inmitten des Wortes und die Vedrängung der Minuskelformen des Buchstaben d durch die Uncialform wichtig. Beide Merkmale weisen, wenn wir sie im Verlauf der mitteleuropäischen Entwicklung der abgerundeten Minuskel betrachten, auf die Zeit um 1200 hin. Die Eintragung des Fluches nahm also irgendeine unbekannte Hand ungefähr 40–50 Jahre nach der Vollendung des Kodex vor. Gegen die Möglichkeit einer Eintragung durch Ewerwinus, dem jungen Gehilfen des Hildebertus, der theoretisch vielleicht schon um 1150 mit der neuesten Schriftmode westlicher Skriptorien bekannt gewesen sein mochte, spricht vor allem die ungekünstelte Schrift, die gerade bei diesem Jüngling, der dem Hildebertus bei der kalligraphischen Ornamentzeichnung behilflich war, nur schwer zu erklären sein dürfte. Die Hypothese des Eingreifens einer dritten, unbekannten Hand wird auch von ikonographischen Kriterien nicht widerlegt, denn in den Kodizes des 9.–13. Jahrhunderts kommen in Schreiberszenen auf dem Pult geläufig Bücher vor, deren Folia unbeschrieben blieben. 2. Die spätere Hinzufügung des Fluches in den abgeschlossenen Komplex der Szene im Explicit beeinträchtigt weder seinen sachlichen noch den ätshetischen Wert. Die nachträgliche Eintragung kann nicht als Falsum angesehen werden. Der Schreiber des Fluches täuschte nichts vor, und zwar weder graphisch noch inhaltlich. Ohne das Autograph des Hildebertus nachzuahmen, drückte er genau das aus und dachte es zu Ende, was den Inhalt der Zeichnung ausmachte.

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