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Poznámky vydávání starších česky psaných listů

PETR ČORNEJ
Česká literatura
Vol. 37, No. 1 (1989), pp. 1-15
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/43743613
Page Count: 15
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Poznámky vydávání starších česky psaných listů
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Abstract

Seit dem Altertum gehört das Korrespondieren zu den gebräuchlichsten Formen der mittelalterlichen Kommunikation und erfüllt seine Grundfunktion, das ist die Informationsübertragung mittels einer Notiz im Gestalt von Schreiben (Briefen). Neben den Briefen mit der Mitteilungsfunktion pflegte man schon in der Antik das Briefschreiben als künstlerisches Genre. Für Briefe, die schon von Anfang an als literarische Werke beabsichtigt wurden, benutzen wir gewöhnlich den Terminus Epistolographie, während den üblichen brieflichen Verkehr, dessen Hauptziel die Mitteilungsübertragung ist, nennen wir Korrespondenz. Die ersten tschechisch geschriebenen Briefe tauchten am Ende des 14. Jahrhunderts auf und während des ganzen Ausgangs des Mittelalters und des Anfangs der Neuzeit behielten die Überzahl Briefe mit der Mitteilungsfunktion. Im Vergleich mit den Werken der humanistischen Epistolographie, die sich im tschechischen Milieu in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts allmählich durchsetzte, sieht die Mehrheit davon aus dem Sicht des Lesers unatraktiv aus. Das ist aber oft nur ein trügerischer Eindruck, da in der Menge der unpersönlich wirkenden Briefen findet man auch einzelne Stücke von bemerkenswerten kulturhistorischen Wert und ausgezeichneten sprachlichen Niveau. Deshalb widmet die Literaturwissenschaft solchen Briefen ihre Aufmerksamkeit und bemüht sich die Grundsätze ihrer Herausgabe auszuarbeiten (mit Rücksicht auf weitere interessierte Fächer, vor allem auf Historie). Lassen wir die humanistische, oft lateinisch geschriebene Epistolographie, die sich nach eigenen Regeln richtete, beiseite, respektierten die Autoren der tschechisch geschriebenen Briefe in 14.—17. Jahrhunderten eigentlich die Grundsätze, die in mittelalterlichen Kanzleihandbüchern festgelegt wurden. Zu den häufigsten Typen des Schreibens gehören die Geschlossenen Briefe, genannt auch Sendschreiben (epistulae missiles), die von einem Fuß-oder Reitboten, später im Wege der Post, überreicht wurden. Der geschlossene Brief sollte aus fünf Teilen bestehen: aus dem Gruß (salutacio), dem Zutritt (exordium), der eigenen Mitteilung (narracio), der Bitte (petiçio) und dem Abschluß (conclusioj. Am Ende des Briefes stand die Datationsformel und der Name des Herausgebers des Schriftsstückes, bzw. sein Unterschrift. Der geschlossene Brief wurde zusammengelegt, versiegelt und mit der Adresse ausgestattet, die die entsprechende Intitulation des Adressats enthalten mußte. Da es nicht immer möglich war alle Punkte des Entwurfs einzuhalten, sahen die Autoren der stilistischen Nachschlagebücher ein, daß es reicht, wenn der geschlossene Brief wenigstens zwei Teile hat: den Gruß und die Mitteilung. Weil die mittelalterlichen Schreiben gewöhnlich nicht den Text in Absätze gliederten (dieser Usus fing sich, natürlich unkonsequent, erst an der Wende des 15. und 16. Jahrhunderts durchsetzen) und eine Menge von Texten gibt es heute nur in Kopien, Formularsammlungen und Konzepten, in deren die schriftliche Notiz nicht mit der graphischen Gestalt des Originals übereinstimmen muß, sollte der Editor als selbständige Absätze nur die Adresse, die Datationsformel und den Unterschrift, bzw. post scriptum, drucken. Die Gliederung der übrigen Briefteile hängt von seiner Erwägung ab. Neben den geschlossenen Briefen verbreiteten sich reichlich in den 14.— 17. Jahrhunderten auch die offenen Briefe, die wir in drei Gruppen verteilen können: a) Flugblätter und Manifeste, b) Patente (Kreditive, Geleitbriefe usw.), c) Feindschaftsbriefe (Kampfansagen, Noten). Einen bestimmten literarischen Wert können wir bei Flugblättern, Manifesten und Feindschaftsbriefen annehmen, während die Patente ihres Charakters wegen näher den Schreiben stehen, das heißt den Schriftstücken von iuristischer Gültigkeit. Die geschlossenen Briefe wurden zumeist für eine physische oder iuristische Person bestimmt, der Inhalt der offenen Briefe sprach die breitere Öffentlichkeit an und wurde auch dementsprechend verbreitet (ankleben oder anschlagen der Flugblätter und Manifeste an Kirch-und Stadttore usw.). Für die Herausgabe der offenen Briefe gelten im wesentlichen dieselben Prinzipien wie für die Herausgabe der geschlossenen Briefe. Eine wichtige Aufgabe des Editors ist auch zu bestimmen, ob er den Brief nach dem Original (nach dem ersten definitiven Text), nach einem Konzept (nach einem Entwurf des definitiven Textes) oder nach einer Kopie (nach einer Abschrift des Originals, eines Konzepts oder einer älteren Kopie) herausgibt. Genauso ernsthaft ist das Problem der Autorenbestimmung, falls die Autorschaft unbekannt ist, bzw. die Bestimmung des jeweiligen Anteils der Autoren und der Beamten in der Kanzlei, die eine ganze Reihe von Briefen in der definitiven Version stilistisch bearbeiteten. Alle diese Feststellungen soll der Editor in einem Kommentar angeben. Zum Schluß scheint es mir nötig zu bemerken, daß die Mehrheit der Publikationen, die tschechisch geschriebene Briefe aus den 14.—17. Jahrhunderten beinhalten, nicht den heutigen Editionsforderungen entspricht und deshalb muß man damit nur mit Bedacht arbeiten.

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