In diesem Aufsatz wird ein bisher unbekannter Traktat zur Dioptrik von Johannes Hudde veröffentlicht. Wie aus der Korrespondenz von Christiaan Huygens mit seinem Lehrer Frans van Schooten hervorgeht, ist dieser Traktat bereits im Jahre 1656 gedruckt worden (anonym; Van Schooten schrieb ihn zuerst Huygens zu). Leider sind von dieser Auflage heute keine Exemplare mehr bekannt. Der Text wird hier dargestellt an Hand zweier handschriftlicher Kopien, eine im Besitz der Royal Society in London, die andere im Leibniz-Nachlaß in Hannover. Auf der Londoner Kopie wird Hudde als Verfasser angegebe, und durch einen Brief Spinozas an Hudde, worin auf den Traktat und eine darin enthaltene Abbildung hingewiesen wird, läßt sich bestätigen, daß er der Autor ist. - Das Problem, womit Hudde sich in diesem Traktat beschäftigt, gilt der sphärischen Aberration: Wie stellt man Linsen oder optische Instrumente ohne Aberration her? Für Linsen mit gewissen ovalen Formen hatte Descartes bereits eine Lösung vorgeschlagen. Hudde aber weist darauf hin, daß diese Lösung nur theoretische Bedeutung hat; in der Praxis ist es zu schwierig, solche Linsen herzustellen. Für eine praktische Lösung entwickelt Hudde eine andere Methode. Er zeigt, daß die sphärische Aberration von einfachen kugelförmigen Linsen in manchen Fällen zu vernachlässigen ist. Der Brennpunkt ist dann zwar kein mathematischer, aber, wie er es nennt, doch ein mechanischer Punkt. Diese Behauptung wird mathematisch ausgearbeitet. Ein solches Vorgehen war in der Dioptrik damals ungewöhnlich. Obwohl der Traktat aus rein mathematischer Sicht wenig Aufsehenerregendes enthält, verdient er wegen seines methodischen Vorgehens doch Beachtung. Huddes mathematisch genaue Behandlung von Ungenauigkeiten war zu seiner Zeit sehr originell.
The Journal of History of Philosophy and Science, founded in 1969, is the organ of the Gottfried Wilhelm Leibniz Society. She explores the work and thought of Leibniz and serves the knowledge of the intellectual and ideological context of his epoch from the Renaissance to the Enlightenment. The periodical is published by an international group of scholars of various disciplines (philosophers, mathematicians and historians) and includes contributions in German, English and French, which are selected in a peer review process. Die Zeitschrift für Geschichte der Philosophie und der Wissenschaften, begründet 1969, ist das Organ der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft. Sie erforscht Werk und Denken von Leibniz und dient der Erkenntnis der geistes- und ideengeschichtlichen Zusammenhänge seiner Epoche von der Renaissance bis zur Aufklärung. Das Periodikum wird von einem internationalen Gelehrtenkreis verschiedener Disziplinen (Philosophen, Mathematikern und Historikern) herausgegeben und umfasst Beiträge in deutscher, englischer und französischer Sprache, die in einem peer review-Verfahren ausgewählt werden.
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Studia Leibnitiana
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