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Phänomen Hörbuch

Phänomen Hörbuch: Interdisziplinäre Perspektiven und medialer Wandel

Stephanie Bung
Jenny Schrödl
Copyright Date: 2017
Published by: Transcript Verlag
OPEN ACCESS
https://www.jstor.org/stable/j.ctv8d5sth
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  • Book Info
    Phänomen Hörbuch
    Book Description:

    Das Hörbuch hat in den letzten Jahren an Beliebtheit und Bedeutung gewonnen. Es ist kaum mehr aus Bibliotheken und Buchhandlungen wegzudenken – und zunehmend zeigt sich auch die Forschung interessiert. Gleichzeitig herrscht noch erheblicher Konturierungsbedarf: Wie die Wortbildung »Hör-Buch« bereits andeutet, handelt es sich um einen vielschichtigen Gegenstand, der nicht nur verschiedene Sinne zugleich anspricht, sondern auch in Abhängigkeit von der Perspektive, aus der man ihn betrachtet, seine Gestalt verändert. Die Beiträge des Bandes widmen sich dieser Vielgestaltigkeit an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen.

    eISBN: 978-3-8394-3438-3
    Subjects: Language & Literature

Table of Contents

  1. (pp. 7-14)
    Stephanie Bung and Jenny Schrödl
  2. Was ist ein Hörbuch?

    • (pp. 17-32)
      Sandra Rühr

      Was ist ein Hörbuch aus buchwissenschaftlicher Perspektive? Untersucht eine Disziplin, deren Formalobjekt das Buch ist, alles, was das Wort ‚Buch‘ im Namen trägt, gewissermaßen als ‚Abkömmling‘ oder ‚Anhängsel‘ des gedruckten Buchs? Ist demnach das Hörbuch ein ‚Buch zum Hören‘? Um diesen Fragen nachzugehen, gliedert sich der Beitrag in drei Teile. Zunächst wird darauf eingegangen, warum auch noch fast 30 Jahre nach Etablierung des Hörbuchs diskutiert werden muss, was seinen Wesenskern ausmacht. Danach wird verdeutlicht, was Buchwissenschaft ist und was deren Forschungsfragen sowie Arbeitsbereiche sind. Dann wird dies auf das Hörbuch übertragen, um schließlich zu veranschaulichen, inwiefern das HörbuchkeinBuch...

    • (pp. 33-58)
      Jürg Häusermann

      Faust: Der Erzengel Raphael spricht die ersten Worte des Prologs im Himmel. Er spricht sie laut, betont in jedem Vers alle vier Hebungen. Er spricht aus der Weite, mit viel Hall. In diesemVorspiel im Himmelhallt auch die Stimme Mephistos nach, auch wenn er deutlich näher beim Mikrofon und beim Hörer steht. Die gesamte Aufnahme wird durch einen klaren Raumeindruck bestimmt. Obwohl es eine szenische Lesung ist, sind die Schauspieler nicht in das nächste Studio gebeten worden. Die Produzenten sind mit ihrer Technik ins Düsseldorfer Schauspielhaus gereist. Sie haben nicht nur die Stimmen eingefangen, die zu Gründgens’ Faust-Inszenierung gehörten,...

    • (pp. 59-68)
      Toni Bernhart

      Matthew Rubery, Literaturwissenschaftler an der University of London, hat zunächst einmal recht, wenn er festhält: „Literary critics have been curiously silent on the topic of audiobooks despite the fundamental questions this format raises about the act of reading.“ Doch schlichtweg falsch ist seine Behauptung, dass sein BandAudiobooks, Literature, and Sound Studiesaus dem Jahre 2011 „the first scholarly book to consider the significance of the audiobook“ sei.¹ Denn seit mehr als einem Jahrzehnt diskutieren Beiträge aus Literatur-, Buch-und Medienwissenschaft, beginnend mit jenem grundlegenden von Rüdiger Zymner² bis herauf in die Gegenwart, die Frage, wie ein Hörbuch literaturwissenschaftlich zu bestimmen...

    • (pp. 69-82)
      Silvia Vormelker

      Freie Universität Berlin, April 2010. Ich begrüße die Teilnehmer meines Seminars, das ich im Masterstudiengang Angewandte Literaturwissenschaft anbiete. Inhaltlich geht es um das Hörbuch, ein seit nunmehr Jahrzehnten etabliertes verlegerisches Produkt, das mit Blick auf die Bereiche Lektorat, Markt und Rezeption dargestellt werden soll, um die Studierenden beruflich zu orientieren und den Be rufseinstieg zu erleichtern. Im Raum verteilt sitzen etwa 20 Teilnehmer und schauen mich gespannt an. Als Expertin für das Modul Verlag habe ich mich als ehemals in verschiedenen (Hörbuch-) Verlagen festangestellte, mittlerweile freiberuflich arbeitende Lektorin qualifiziert. Es ist meine erste Lehrveranstaltung, und ich be mühe mich, die...

  3. Hörbuch – Hörspiel – Hörlyrik

    • (pp. 85-102)
      Vito Pinto

      Elfriede Jelineks RomanNeidist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich, im Besonderen aber aufgrund seiner Publikations-und Distributionsgeschichte: Es handelt sich dabei nämlich um einen – auch heute noch – frei zugänglichen Online-Roman, wurde der Text doch auf Jelineks Website von März 2007 bis April 2008 sukzessive in Form von ausführlichen Blogbeiträgen veröffentlicht.¹ Im Rahmen eines Interviews bezeichnet Elfriede Jelinek den Roman bemerkenswerter Weise grundsätzlich als einen „gesprochene[n] Text“. „Sprechen“, so die Autorin weiter, fungiere hier „im Gegensatz zu erzählen“.² Diese Aussage kann auch als ein Verweis darauf verstanden werden, dass sichNeidim Besonderen dafür eignet, laut (vor-) gelesen oder auch radiophon eingerichtet...

    • (pp. 103-116)
      Wiebke Vorrath

      Für das vieldiskutierte Kompositum ‚Hörbuch‘ besteht bisher keine einheitliche Definition, was einerseits an der hybriden Gestalt des Gegenstandes und anderer seits an den unterschiedlichen Forschungsperspektiven liegt, aus denen er betrachtet wird. Einig ist sich die interdisziplinäre Forschung immerhin darüber, dass die Bezeichnung Hörbuch ein Sammelbegriff für Publikationen akustisch aufgezeich neter und auf einem technischen Datenträger fixierter, reproduzierbarer Texte ist, die dem Buchhandel angehören. Auffällig ist, dass in der Alltagssprache unter Hör buch zumeist Tonaufnahmen von Lesungen eines Prosatextes (Sachliteratur oder Belletristik) und unter Hörspiel akustisch-szenische, polyphone Umsetzungen, sprich dramatische Inszenierungen von Geschichten unterschiedlichster Art, verstanden werden.¹ Allerdings stehen bereits am...

    • (pp. 117-134)
      Claudia Benthien

      Der Gattung Lyrik eignet eine besondere Nähe zur Performance und zum mündlichen Vortrag, unter anderem aufgrund ihrer Kürze und Memorierbarkeit, die durch Reim, Rhythmus und klangliche Kohärenz erzeugt wird. Mündlich vorgetragene und somit ein originäres Hörereignis evozierende Lyrik findet sich in der deutsch sprachigen Kultur-und Medienlandschaft gegenwärtig in unterschiedlichen Formaten: Zum einen als live vor Publikum gelesene oder rezitierte Dichtung, zum anderen als Video-Aufzeichnung derartiger Lesungen und Poetry Slams, die dann auf Internetplattformen bereitgestellt werden, und schließlich als eigens für die akustische Rezeption hergestellte Audio-Aufnahme.¹ Solche ‚ Audio-Poesie‘ wird traditionell für das Radio und seit einiger Zeit auch für das...

    • (pp. 135-150)
      Stephanie Bung

      Der französische Schriftsteller und Filmemacher Georges Perec hat in seinem kurzen Leben ein umfangreiches, vielseitiges und mitunter etwas skurrilesOEuvrege schaffen. Er verfasste Romane, die sich in verschiedene Richtungen lesen lassen oder ganz ohne den Buchstaben E auskommen, begeisterte sich für das japanische Spiel Go, schrieb Theaterstücke, Drehbücher sowie Hörspiele, letztere insbesondere für den Saarländischen Rundfunk, und war eines der prominentesten Mitglieder der Gruppe Oulipo (Ouvroir de la littérature potentielle), die 1960 als eine Art literarisches Versuchslabor gegründet worden war. Vor allem aber begriff er das Schreiben als Möglichkeit, eine Spur zu legen, sich zu erinnern:

      Écrire: essayer méticuleusement...

  4. Hörbücher erfahren

    • (pp. 153-172)
      Kati Hannken-Illjes, Barbara Schlücker and Nicole Dehé

      Die vorliegende Studie untersucht, ob die Präsentation eines literarischen Textes als Hörbuch gegenüber der zu lesenden Textfassung die Motivation steigert, über den vorliegenden Auszug hinaus weiterzulesen/zu hören. Im Folgenden werden wir, nach einer kurzen Begriffsbestimmung, den Forschungsstand zum Hörbuch darstellen und dabei unser Hauptaugenmerk auf Arbeiten zur Rezeption von Hörbüchern legen. Daran anschließend stellen wir erste Ergebnisse einer Studie vor, die wir mit Schüler_ innen im Deutschunterricht durchgeführt haben. Wir haben Schüler_ innen der achten Klasse einen sprachlich schwierigen Text¹ und einen sprachlich weniger schwierigen Text² hören respektive lesen lassen. Im Anschluss beantworteten sie einen Fragebogen, der ihre Rezeptionsmotivation sowie...

    • (pp. 173-188)
      Romana Weiershausen

      Goethe gilt als zeitloser Klassiker, während sich zugleich die Rezeption seiner Werke ändert: Der Buchmarkt ist einem rasanten Wandel unterworfen. Was bedeutet das neue Medium des Hörbuchs für den Umgang mit literarischen Texten und was verraten ältere Hörbuch-Aufnahmen über Veränderungen des Publikumsgeschmacks? Für eine Untersuchung, die nach diesen Aspekten medialen Wandels fragt, bietet sich das Werk Goethes besonders an, denn aufgrund seines gesellschaftlichen Stellenwerts existieren verhältnismäßig viele Audioproduktionen. Die Materiallage ermöglicht kontrastive Vergleiche – auch mit historischer Dimension. Dies lässt sich mit Fragen zur Ästhetik und speziell zu Vorstellungen von Dichtung im Span nungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit verbinden. Das Untersuchungs...

    • (pp. 189-210)
      Katharina Rost

      Der Begriff ‚Hörbuch‘ umfasst verschiedene Arten der gestalteten, medial produ zierten und reproduzierten akustischen Darbietung eines Skripts. Wie in der For schungsliteratur häufig betont wird, umfasst er ein Spektrum diverser Genres von der Lesung über das Feature bis zum Hörspiel u.a. So unterschiedlich die einzelnen Produktionen sind, eines haben sie gemeinsam: Sie werden primär über das Gehör rezipiert. Die Frage nach der auditiven Wahrnehmung ist daher zentral für die Hörbuch-Rezeption, wobei sie in der Forschungsliteratur bis auf einzelne Ausnahmen kaum entsprechend ins Zentrum gestellt wurde. Zumeist beschränken sich Aussagen auf empirisch gewonnene Erkenntnisse zum Kontext des Hörens.

      Hörbücher werden in...

    • (pp. 211-220)

      Jenny Schrödl: Lisan, herzlichen Dank, dass Du heute Zeit gefunden hast für dieses Interview im Rahmen unseres Sammelbandes „Phänomen Hörbuch. Interdisziplinäre Perspektiven und medialer Wandel“. An diesem Projekt „Hörbuch“, welches Stephanie Bung und Nicole Dehé 2012 initiiert haben, hast Du von Anfang an teilgenommen: Du warst bereits beim ersten Workshop in Konstanz (2012) und bei der zweitägigen Tagung in Berlin (2015) dabei. Bei letzterer hast Du Dich gemeinsam mit Deinem Kollegen Christian Wincierz mit einer spannenden Lesung („Medley aus Texten und Liedern von Hoffmann, Kaléko, Williams und Moers“) beteiligt – und ich frage Dich heute auch nicht als Absolventin der Theaterwissenschaft,...

Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)
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