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Das latènezeitliche Gräberfeld von Mannersdorf am Leithagebirge, Flur Reinthal Süd, Niederösterreich

Das latènezeitliche Gräberfeld von Mannersdorf am Leithagebirge, Flur Reinthal Süd, Niederösterreich: Studien zu Phänomenen der latènezeitlichen Kulturausprägungen

Peter C. Ramsl
M. R. Megaw
J. V. S. Megaw
K. Kastowsky
M. Mehofer
P. Spindler
N. Müllauer
B. Bühler
M. Kucera
R. Sauer
J. P. Northover
S. Swoboda
T. Prohaska
G. Stingeder
E. Draganits
Copyright Date: 2011
Edition: 1
Pages: 669
OPEN ACCESS
https://www.jstor.org/stable/j.ctv8d5tkk
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  • Book Info
    Das latènezeitliche Gräberfeld von Mannersdorf am Leithagebirge, Flur Reinthal Süd, Niederösterreich
    Book Description:

    Die hier vorliegende Publikation ist das erste Ergebnis in Monographieform des APART-Projekts "Migrationsphänomene in der Frühlatènezeit“ und des FWF-Projekts P-15977-G02 "The celtic cemetery of Mannersdorf (Lower Austria) in the context of east and west cultural contact“. In Mannersdorf am Leithagebirge, Flur Reinthal Süd wurden von 1976 bis 1984 vom Museum Mannersdorf durch H. Schutzbier und F. Opferkuh und dem Bundesdenkmalamt (G. Melzer) insgesamt 96 Körper und Brandgräber der Früh- und Mittellatènezeit ausgegraben. Das Gräberfeld selbst erstreckt sich in nw-so Richtung mit einer Länge von 200 und einer Breite von ca. 45 Metern. Es hat eine Belegungsdauer von Latène A2/B1 bis C1, was einer absoluten Datierung von ca. 400 bis 200 vuZ. entspricht. Die Qualität der Beigaben zeigt sich neben den Materialien Silber, Gold, Glas und Korallen vor allem in der technischen Ausführung der Artefakte. Ein markantes Stück des Gräberfeldes ist eine Bronzesitula, die ein Importstück aus Norditalien darstellt. Bestimmte Gebiete wie das Mittelrheingebiet, die Champagne und das Balkangebiet müssen damals intensive Verbindungen in den niederösterreichischen Raum gehabt haben. Zur Geschlechterverteilung im Gräberfeld ist zu bemerken, dass mit 48 Personen doppelt so viele Frauen wie Männer (24) vorkommen. Es lässt sich eine Gruppe der sogenannten "Lt B1-Elite- bzw. Spitzengräber“ herausarbeiten, die sich als die höchste Ausstattungsgruppe mit Doppelfuß- und Handreifen sowie dem Vorkommen von Edelmetall definieren. Die Nekropole gehört mit ihren 96 Gräbern zu den mittelgroßen des mittleren Donaugebiets. Es zeigt sich, dass es sich bei einem Teil der in Mannersdorf Bestatteten eventuell um eine Gruppe von Menschen handelt, die aus dem Gebiet der heutigen Schweiz stammten. Eine ebenso wahrscheinliche These wäre, dass es sich um Angehörige einer "Oberschicht“ handelt, die weitreichende wirtschaftliche und verwandtschaftliche Kontakte (und dadurch auch Mobilität) durch den "mitteleuropäischen Korridor“ und die anschließenden Gebiete wie Norditalien hatten und dies durch ihre Tracht und den zusätzlichen Besitz zum Ausdruck brachten. Ergänzende Analysen von Bronzematerial, Keramik, Tierknochen, Eisenschmiedetechnik, Goldschmiedetechnik, Textil- und Herstellungstechnik und Steinartefakten stellen einen unverzichtbaren Teil der Darstellung dieses latènezeitlichen Gräberfeldes dar.Gedruckt mit Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF).

    eISBN: 978-3-7001-7122-5
    Subjects: Archaeology, Sociology, History

Table of Contents

  1. (pp. 10-11)

    Die Idee zu diesem Projekt entwickelte sich aus den Ergebnissen des FWF-Projektes „Wirtschaftliche Grundlagen und soziale Strukturen der latènezeitlichen Bewohner des Traisentales“ (wiss. Leitung: J.-W. Neugebauer, Ausführung: P. C. Ramsl). Da sich schon im dort behandelten Gräberfeld von Pottenbrunn weitreichende Beziehungen in andere Regionen der Latènekultur abzuzeichnen begannen, war es die logische Konsequenz, ausgehend von diesen Erkenntnissen und der Vorlage eines neuen wichtigen Gräberfeldmaterials (Mannersdorf am Leithagebirge) weiterreichende Zusammenhänge zu untersuchen.

    Das hier gezeigte Projekt setzt sich aus dem APART-Projekt „Migrationsphänomene in der Frühlatènezeit“ (10/2002, wiss. Leitung und Ausführung: P. C. Ramsl) und dem FWFProjekt P-15977-G02 „ The celtic cemetery...

  2. (pp. 12-13)

    Äußere Quellenkritik, auch Kritik der Quellenüberlieferung, betrifft all jene Angaben, die sich auf die Fundgeschichte, und zwar in erster Linie auf den Fundort und die Fundumstände beziehen¹.

    Aufgrund der regelmäßigen Fundberichte, der Planskizzen und der auf den Plänen angeführten Fundlisten ist anzunehmen, dass die Angaben der Ausgräber der Wahrheit entsprechen. Zu kritisieren ist, und das wurde schon mit dem Ausdruck „Planskizzen“ angedeutet, dass es sich beim Großteil der graphischen Dokumentation höchstens um Skizzen, meist aber nicht um detailgetreue Pläne handelt. Vor allem die menschlichen Skelette sind meist nur schematisch und ungenau gezeichnet. Die Lage der Beigaben mag hingegen der Realität...

  3. (pp. 14-15)

    Man kann sich fragen, warum wir (in der Urgeschichtsforschung) mit unseren herkömmlichen Methoden oft nicht mehr zu befriedigenden Ergebnissen gelangen. In gewisser Weise handelt es sich um eine Art Sackgasse, in die uns die alleinige Anwendung der typologisch-chronologischen Methode gebracht hat. Dabei ist zu überprüfen, ob es sich zum Teil nicht wirklich um die „Typologische Methode“ nach Montelius handelt, die aufgrund ihres evolutionistischen Ansatzes als zumindest „fragwürdig“ gilt¹. Die Absage an diese Methode beruht nicht auf der Ablehnung des Vergleiches von Gegenständen. Der Vergleich, der besser als „ Typographie“ bezeichnet wird, sollte nur nicht an die Theorie der Entwicklungslehre gebunden...

  4. (pp. 16-17)

    Die Nekropole von Mannersdorf am Leithagebirge, Bezirk Bruck an der Leitha, Niederösterreich befindet sich auf einer Geländerippe am Abhang des Leithagebirges (Abb. 3).

    Dieser Gebirgszug, der die Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland bildet und den Ostrand des Wiener Beckens darstellt, ist 35 km lang und 5– 7 km breit. Sein Urgesteinskern wird von „Leithakalk“ (=tertiärer Lithothamnienkalk bzw. Kalksandstein) bedeckt¹. Die genaue Lage der Fundstelle kann mit Flur Reinthal-Süd (Fundstelle 5 nach dem Museum Mannersdorf) 2,8 km westlich der Pfarrkirche von Mannersdorf (ÖK 1: 50.000 Bl. 77, N63-O27 und N67-O25) – zwischen einer Nebenstraße, die von der Verbindungsstraße zwischen Mannersdorf und...

  5. (pp. 18-24)

    An dieser Stelle soll zuerst der Schriftverkehr einiger Heimatforscher aus dem 19. Jahrhundert wiedergegeben werden¹. Diese Quellengattung birgt nicht nur interessante Details und zeigt die Distanz zwischen den interessierten Laien (zumeist Lehrer) zu den Museumskustoden, sondern auch jene zwischen den Lokalmuseen und den Zentralmuseen in Wien. Der erste schriftliche Hinweis auf urgeschichtliche Funde in Mannersdorf am Leithagebirge findet sich in einem Brief aus dem Jahre 1879 von Mathias Kornmüller an den damaligen Direktor der anthropologisch-ethnographischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien, Ferdinand von Hochstetter (Abb. 6).

    Bedaure sehr dass ich Samstag nicht zu Hause war, denn es wäre mir sehr lieb...

  6. (pp. 25-29)

    Im Gräberfeld von Mannersdorf/Lgb., Flur Reinthal Süd wurden insgesamt 94 latènezeitliche Grabverfärbungen aufgedeckt, wobei 92 davon auf Plänen aufzufinden waren. Weiters sind 22 Grabumhegungen unterschiedlicher Form um diese und 11 Pfostengruben, die Gräbern zugeordnet werden können, zu erwähnen.

    Insgesamt enthält die genannte Nekropole 96 Körpergräber. Wie auch im latènezeitlichen Gräberfeld von Pottenbrunn (Traisental) liegen die Toten zumeist in rechteckigen bis annähernd quadratischen Schächten¹. Dabei sind die Ecken oftmals abgerundet. Daneben treten auch ovale Formen auf. Seitliche Steinumstellungen (Trockenmauern?) sind hier auch öfter vertreten, sollen aber im Kapitel Grabeinbauten eingehend behandelt werden. Grabbauten dieser Kategorie treten in Mannersdorf 74 mal auf....

  7. (pp. 30-30)

    13 der 96 Bestattungen in Mannersdorf können als gestört angesprochen werden (13,5 %). Dabei ist es aufgrund des Fehlens der fotografischen Dokumentation oft nicht klar, um welche Stufe der Beraubung es sich handelt. Daher kann die Systematik der Beraubungsstufen auch nicht angewandt werden.

    Grab 67: Störung im NO-Bereich des Grabes; innerhalb dieser lagen in 0,85 m Tiefe menschliche Röhrenknochen, Tonscherben und ein Armreiffragment. In 1,05 m Tiefe befanden sich die Reste einer ab dem Becken gestörten, SSWNNO-orientierten Körperbestattung in gestreckter Rückenlage. Vom Skelett waren nur mehr Schädel, Armknochen, Schulterblätter sowie einige Rippen und Wirbelknochen vorhanden.

    Grab 76: Im unteren Bereich...

  8. (pp. 31-104)

    Grab 1: Grabschacht mit Einzelbestattung (Taf. 1) Befund: Grabschacht: annähernd oval, 1,88 mal 1,30 m, in 0,25 m Tiefe Reste einer Steinpackung aus Kalksteinen.

    Bestattung: Körperbestattung in gestreckter Rückenlage in 0,31 m Tiefe, Orientierung SSW-NNO.

    Lage der Funde: (Taf. 24) Neben rechter Schädelseite Omphalosgefäß (Fnr. 2), bei rechter Hand graphitierte (?) Henkelschale (Fnr. 3a) und Schale (Fnr. 3b), Eisenfibel (Fnr. 1) an der linken Kieferseite, Bronzefibel (Fnr. 4) in der Halsgegend, bei Schädelunterseite Eisenfragmente (Fnr. 5).

    Funde: Fnr. 1: Eisenfibelfragment, Nadel, Bügel und Spannung erkennbar, max. erh. L. 4,6 cm, Dm. (Sp.) 0,9 cm, Dm. (Bügel) 0,4 cm, Taf. 24....

  9. (pp. 105-146)

    Dieser Typ ist in Mannersdorf in den Gräbern 8, 10/1, 10/2, 106, 116 und 124 vertreten. Dabei fällt das Exemplar 116/6b mit länger hervorstehendem Haken und 209/1 als auffällig langes Beispiel heraus. Gürtelhaken mit kästchenförmigen Beschlägen beginnen in der fortgeschrittenen Phase von Lt A und enden in Beginn Lt B2. Bei einfachen Gürtelhaken wie Fnr. 79/10 ist zumeist anzunehmen, dass der dazugehörige Beschlag verloren ging.

    Die zehn Bronzeringe (Fnr. 10/12) aus Grab 10/1, verbunden mit dem dreieckigen Bronzeobjekt (Taf. 43) könnten, zusammen mit dem Gürtelhaken Fnr. 10/12 zu einer Gürtelgarnitur gehören. Solche Gürtel mit vielen Bronzeringen treten beispielsweise auch in...

  10. (pp. 147-155)

    Am Fußende der zweiten Bestattung in Grab 10 wurde mit Fnr. 26 ein an den Enden verbundenes zweiteiliges Artefakt entdeckt. Erkennbar sind noch eine Pinzette und ein weiterer Teil, der spitz ausläuft.

    In Grab 127, Fnr. 2b konnte seitlich des Bestatteten, vergesellschaftet mit einem großen Hiebmesser, ein Toilettbesteck gefunden werden. Dieses ist aus Eisen gefertigt und besteht aus einer bandförmigen Pinzette und einem sich leicht verjüngenden Eisenstift, der am dünneren Ende einen annähernd quadratischen Querschnitt besitzt.

    Toilettbestecke haben in der Eisenzeit eine lange Tradition und bestehen oft aus mehreren Teilen. In latènezeitlichen Gräbern Ostösterreichs ist die Kombination Pinzette-„ Stichel“ zu...

  11. (pp. 156-164)

    Exemplare dieses Typs treten in Mannersdorf viermal auf. Dabei handelt es sich um jeweils zwei Ringe aus den Gräbern 37, 67, 127 und 225. Es zeigt sich jedoch, dass sich der Begriff „Koppelringe“ in einem gewissen Bedeutungswandel befindet. Wurden früher alle Ringe in Gürtelnähe von Schwertträgern so bezeichnet, so wird jetzt mehr differenziert. Das liegt daran, dass die Funktionstüchtigkeit der Exemplare hinterfragt werden sollte. So werden beispielsweise die Ringsätze aus Grab 117 und 181 nicht zu den Koppelringen gestellt, da sie durch die geringe innere Lichte und die Ausführung als Hohlringe nicht geeignet erscheinen.

    Koppelringe haben die Funktion, mittels eines...

  12. (pp. 165-186)

    Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, wie sinnvoll es überhaupt ist, zwischen Schalen und Schüsseln zu unterscheiden, da es die verschiedensten Definitionen gibt, die sich mitunter vollständig widersprechen.

    Hier wird der Einfachheit halber, dem Vorbild des Gräberfeldes von Pottenbrunn entsprechend¹, zwischen Schalen (ausladender Rand) und Schüsseln (annähernd senkrechter bis einziehender Rand) unterschieden. Im Gräberfeld von Mannersdorf treten insgesamt vier Exemplare dieser Form auf.

    Diese sind in Grab 76 (Fnr. 1) und Grab 112 (Fnr. 4) vertreten. Dabei ist das Stück aus Grab 76 außen und innen vollständig graphitiert und besitzt im oberen Teil breite Riefen, die an die...

  13. (pp. 187-197)

    In der Nekropole von Mannersdorf sind in zwei Gräbern Bronzebeschläge zu finden, nämlich in Nr. 114 (Fnr. 17) und 230 (Fnr. 2a, b, 2c).

    1) Fnr. 17 aus Grab 114 (Abb. 155) besteht aus einem Bronzeblech mit einer Länge von 1,8 cm und einer Breite von 1 cm. Es ist von annähernd dreieckiger Form mit ausgewölbten Seiten. Mittig ist eine deltoidförmige Ausnehmung zu beobachten, am (offensichtlich abgebrochenen) Ende des Beschlages deutet sich eine ebensolche an. Außerdem sind drei ringförmige Punzen (Außendurchmesser 3,5 mm) zu erkennen. Aufgrund des fragmentarischen Erhaltungszustandes und der Vergesellschaftung mit durchlochten Steinen und Glasperlen dürfte es wohl...

  14. (pp. 198-244)

    Dieses Grab enthält die Bestattung eines menschlichen Individuums in gestreckter Rückenlage. Von den drei beigegebenen Fibeln lässt sich allein Fnr. 4 zur genaueren Datierung heranziehen. Diese Bronzefibel mit diametralem Bügel steht am Beginn der Stufe Lt B1 (Lt B1a). Dies wird durch die gestempelte Flasche Fnr. 2 bestätigt, die auch noch in Lt A2 vorkommt ¹. Die Kombination von einfacher Schüssel und Henkeltasse ist aus Sopron-Krautacher 2 oder Bucany, Grab 2, 6 und 8 3 bekannt.

    Bemerkenswert ist hier in erster Linie die Orientierung der Bestattung in SSW-NNO Richtung, wobei der Kopf nach Norden schaut. Die Kombination der Fibeln, vor...

  15. (pp. 245-247)

    In den vorangehenden Kapiteln der „Auswertung“ wurde versucht, auf einzelne Aspekte der Grabinhalte näher einzugehen und sie auszuführen. An dieser Stelle sollen diese Einzelergebnisse zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet werden.

    Hier wurden die Grabschachtvolumen von Planum 1 bis zur Grabsohle bzw. von der Humusoberkante zur Grabsohle in Beziehung gesetzt und bewertet. Dabei ergab sich folgende Reihung: Grab 225, 209, 115, 212, 56, 230, 116, 117, 124, 13 und noch 31, um die am höchsten Bewerteten zu nennen.

    Bei dieser Methode wurde die Anzahl der Werkstoffe pro Grab bewertet. Dabei waren Grab 13 mit 9 Werkstoffen, Grab 22 mit acht, und Grab...

  16. (pp. 248-263)

    Die hier vorliegende Publikation ist das erste Ergebnis in Monographieform des APART-Projekts „Migrationsphänomene in der Frühlatènezeit“ (10/2002, wiss. Leitung und Ausführung: Peter C. Ramsl) und des FWF-Projekts P-15977-G02 „The celtic cemetery of Mannersdorf (Lower Austria) in the context of east and west cultural contact“ (Leitung: Anton Kern, NHM Wien, wiss. Ausführung: Peter C. Ramsl).

    Grundsätzlich steht in der vorliegenden Arbeit die Aufarbeitung des latènezeitlichen Gräberfeldes von Mannersdorf am Leithagebirge, Flur Reinthal Süd im Vordergrund. Zusätzlich sollen Ansätze zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Material im gesamteuropäischen Kontext geliefert werden.

    Die Flur Reinthal auf dem Gemeindegebiet von Mannersdorf am Fuß des Leithagebirges...

  17. (pp. 508-585)
    Karolin Kastowsky, Mathias Mehofer and Peter Spindler

    Im Rahmen des APART-Projektes „ Migrationsphänomene in der Frühlatènezeit“ bzw. des FWF-Projektes P 15977 „The celtic cemetery of Mannersdorf“, bei dem eine vollständige Analyse der Gegenstände und Grabinventare aus dem Gräberfeld Mannersdorf und Umgebung durchgeführt wird, wurde unter anderem eine metallurgische Untersuchung an ausgewählten Eisengegenständen unternommen. Bei diesen Objekten handelt es sich um mehrere Gegenstände, die ein Spektrum der in den Gräbern aufgefundenen Gegenstände darstellen. Es handelt sich hier um verschiedene Gebrauchsgegenstände wie Messer, Scheren, aber auch Waffen. Von diesen wurden 17 Objekte für die metallographische Untersuchung ausgewählt.

    Ziel soll in erster Linie sein, einen Einblick in die Herstellungstechnologie latènezeitlicher...

  18. (pp. 586-603)
    Natascha Müllauer

    Im Gräberfeld aus Mannersdorf am Leithagebirge konnten insgesamt acht Paar Hohlreife mit Raupen-und Rippenzier bei acht Bestattungen festgestellt werden . Die Untersuchung der Reife hatte in erster Linie die Ausarbeitung eines eventuellen herstellungstechnischen Verfahrens von Hohlreifen v. a. in Raupenzier zum Ziel. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die unterschiedlichen Füllungen dieser Reife und deren Nutzen im herstellungstechnischen Vorgang gelegt. Die Fußreife folgender Gräber wurden in die Untersuchung miteinbezogen: Nummer 46, 101, 106, 190, 209, 212, 217 und 224.

    Zur Herstellung von Hohlblechreifen bzw. Reifen in Raupenzier gibt es bislang kaum Beiträge. K. Pieta schriebt bezüglich der Herstellung der Reife in...

  19. (pp. 604-614)
    Birgit Bühler and Matthias Kucera

    Jede der beiden Hälften² des goldenen Armreifs Mannersdorf 115/7 besteht aus vier langen Perldrähten, einem Stück „ Kordeldraht“ und einer Granalie: Das Kernstück des schmalen Reifs bildet ein langes Drahtstück mit rundem Querschnitt („ rundstabiger Draht“; Dm. ca. 1,0 mm), das in der Mitte umgebogen worden ist, wobei man die beiden Stränge anschließend miteinander verwunden hat (Abb. 1).

    Der so entstandene „ Kordeldraht“ wird von zwei Perldrähten, mit denen er punktuell verlötet worden ist, eingefasst (Abb. 2).

    Die beiden Zierteile mit achterschleifenförmigem Dekor dürften jeweils aus zwei langen, parallel verlaufenden und stellenweise miteinander verlöteten Perldrahtstücken (Dm. ca. 1,2 mm) zusammengebogen...

  20. (pp. 615-643)
    Roman Sauer

    Es wurden insgesamt von 72 Keramikproben Dünnschliffe angefertigt, analysiert und ausgewertet. Die Keramikproben wurden in petrographisch und mineralogisch unterschiedliche Scherbentypen unterteilt. Einerseits bedeuten die ausgeschiedenen Scherbentypen auch unterschiedliche Keramikrohstoffe bzw. Rohstoffmischungen, teilweise lassen sich die Scherbentypen auch durch verschieden hohe Brenngrade ein und desselben Rohstoffes oder auch durch Bodenlagerungseffekte erklären (z. B. Entkalkung durch Auslaugung im Boden). Auch ungewollte Veränderungen des Scherbens bei der Reinigung mit Säure müssen manchmal in Betracht gezogen werden.

    Es konnten einerseits eindeutig marine Tonrohstoffe aufgrund der teilweise reichlich vorhandenen, neogenen Mikrofaunen nachgewiesen werden (petrographische). Andererseits wurden auch kalkarme, nicht marine Rohstoffe verwendet. Auffällig ist das...

  21. (pp. 644-649)
    J. Peter Northover

    Drilled samples from 53 artefacts from 30 different graves from the La Tène Iron Age cemetery at Mannersdorf NÖ were submitted for composition analysis.

    The samples were hot-mounted in a carbon-filled thermosetting resin, ground and polished to a 1: m diamond finish. All samples were analysed by electron probe microanalysis (EPMA) with wavelength dispersive spectrometry (WDS), using a JEOL 8800 instrument operated by Oxford Materials Characterisation Services, Department of Materials, University of Oxford. I am grateful to Mr C.J. Salter for assistance with the analysis processs. Operating conditions were an accelerating voltage of 20 kV, a beam current of 30...

  22. (pp. 650-661)
    Siegfried Swoboda, Gerhard Stingeder and Thomas Prohaska

    Elemental pattern are widely applied for the characterization of metallic artefacts in order to prove authentication of alloys and to provide useful archaeometalurgical information on the production process and provenance.²,³,,⁵ Most methods require tedious sample preparation and include digestion of a significant amount of material, which is not always applicable especially if considering precious artefacts. Therefore, investigations require a method which allows destruction free analysis without sample contamination in combination with high spatial resolution, non-interfered assessment of elemental and isotopic information with high sensitivity and a high sample throughput for statistically relevant population studies.

    Over the last years, laser ablation...

  23. (pp. 662-662)
    Erich Draganits and Peter C. Ramsl

    Ursprünglich wurden insgesamt sechs Artefakte des latènezeitlichen Gräberfeldes von Mannersdorf als aus Stein gefertigt angesprochen. Nach der makroskopischen Durchsicht der Artefakte handelt es sich bei zwei Objekten um Keramik.

    Keramik?, braun; feinkörnig; makroskopisch sind nur einige Hellglimmer zu erkennen; im Prinzip ungebraucht. Die Bohrung wurde vermutlich beidseitig hergestellt, es sind keine Abnützungsspuren bei der Lochung zu sehen. Die Dichte von 1,4 g/cm³ ist für ein Gestein außergewöhnlich niedrig. Die Materialhärte ist weiters für einen Schleifstein zu weich.

    Oberfläche ist stellenweise sehr gut poliert, teilweise erscheint sie fast glasig. Es gibt immer wieder auch ungewöhnliche runde Vertiefungen, die auf den ersten...

  24. (pp. 663-668)
    Peter C. Ramsl

    Im Gräberfeld von Mannersdorf konnten bei insgesamt 44 Bestattungen Knochen und Zähne von Tieren gefunden werden. Damit sind in 45,8 % der Gräber Fleischbeigaben (mit Knochen) anzutreffen. Allerdings wurden nur in 36 Gräbern die Knochen bestimmt.

    Einzelne Tierzähne enthielten Grab 4 und 223. Der Zahn aus Grab 4, Fundnummer 9 wird einem Bären¹ zugeordnet, Fnr. 223/3 einem Eber. Die Lochung im ersterwähnten Exemplar, kombiniert mit der Lage im Grab bei einigen Bernsteinperlen spricht für die Interpretation als Schmuckbestandteil. Fnr. 223/3 ist als Einzelstück in einem Grab ebenfalls ein Sonderfall und könnte ebenfalls in diese Kategorie gestellt werden, eventuell sogar als...

Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License (CC BY-NC-ND 4.0)
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