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Das Prytaneion in Ephesos

Das Prytaneion in Ephesos

Martin Steskal
Nicole M. High
Sabine Ladstätter
Matthias Pfisterer
Georg A. Plattner
Barbara Beck-Brandt
Andrea M. Pülz
Copyright Date: 2010
Edition: 1
Pages: 512
OPEN ACCESS
https://www.jstor.org/stable/j.ctv8d5tm2
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  • Book Info
    Das Prytaneion in Ephesos
    Book Description:

    Im letzten Jahrzehnt vor der Zeitenwende wird im Norden des ephesischen Staatsmarktes ein Gebäude errichtet, das uns heute als eines der wenigen sicher identifizierten Prytaneia der griechisch-römischen Welt bekannt ist. Als Hauptkultgebäude der Polis fungierte das Prytaneion als Amtssitz der höchsten magistratischen Beamten der Stadt, als Ort öffentlicher Ehrenmähler und als der Ort, an dem der sog. Staatsherd untergebracht war - ein ewig brennendes Feuer, das das Leben der Stadt symbolisieren sollte. Zwischen den Jahren 2007 und 2009 wurde das Prytaneion von Ephesos einer abschließenden archäologischen und bauhistorischen Analyse unterzogen. Dabei konnten nicht nur die Baugeschichte, die Funktion und die Struktur der Anlage weitgehend geklärt werden, sondern auch Transformationsprozesse an einem antiken Monumentalbau nachgezeichnet werden, die einen Funktionswandel von einem kaiserzeitlichen Verwaltungs-, Repräsentations- und Kultgebäude zu einem einfachen byzantinischen Werkstatts- und Wohnviertel dokumentieren. Das wechselhafte Schicksal dieses Komplexes, das sich über die ersten acht nachchristlichen Jahrhunderte verfolgen lässt, soll im Zuge dieser Publikation dargelegt werden.

    eISBN: 978-3-7001-6972-7
    Subjects: Archaeology, History, Architecture and Architectural History

Table of Contents

  1. (pp. IX-X)
    Sabine Ladstätter

    ragenden Stumpf einer Säule mit herzförmigem Querschnitt« stieß, war der Grundstein für die Entdeckung des politischen Zentrums von Ephesos gelegt. Bald erbrachten die hier gefundenen epigrafischen Zeugnisse den Nachweis dafür, in dem freigelegten Objekt den Kultkomplex für Hestia Boulaia zu erkennen und diesen mit dem Prytaneion der Stadt zu verbinden. Der Höhepunkt der Grabungsarbeiten war zweifelsohne mit der Entdeckung der Artemisstatuen erreicht, deren ursprüngliche Aufstellung die Bedeutung des Prytaneions im Rahmen offiziell-städtischer Kulthandlungen bekräftigt.

    Es ist Wilhelm Alzinger zu verdanken, die einzelnen Gebäude am Südfuß des Panayýrda ð in einen größeren Kontext gestellt und übergreifend interpretiert zu haben. Seinen überzeugenden...

  2. (pp. XI-XII)
    Martin Steskal

    Das im Jahr 1955 entdeckte Prytaneion von Ephesos ist als zentraler Bau des Regierungsviertels seit über einem halben Jahrhundert Gegenstand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Obwohl oft in Vorberichten und kurzen Abhandlungen besprochen, blieb eine umfassende und vollständige Vorlage dieses Gebäudes aber bis dato ein Desiderat in der ephesischen Forschungsgeschichte. Da grundlegende Fragen zu den einzelnen Bauphasen, zum architektonischen Aufbau sowie zur Nachnutzung des Areals nicht endgültig geklärt waren, wurden im Jahr 2007 neue Forschungen zum ephesischen Prytaneion begonnen. Die Leitung des Projektes wurde dem Autor vom damaligen Grabungsleiter von Ephesos, F. Krinzinger, überantwortet.Die Arbeiten wurden in den Jahren 2008 und 2009...

  3. (pp. 1-8)
    Martin Steskal

    Systematische Forschungen zum Gebäudetypus ›Prytaneion‹ und Reflexionen über die Funktion solcher Bauten erfolgten bis dato nur spärlich. So verwundert es nicht, dass St. G. Miller die wohl übergreifendste Studie über Prytaneia mit den Worten beginnt¹: »Within the realm of Greek civic architecture, the prytaneion is pre-eminent both for its ubiquity and for its obscurity. One cannot read far in the literature of antiquity without encountering mention of this building, but a vision of the architectural form of the prytaneion rarely, if ever, springs to mind when one reads or hears the word.« Der Umstand, dass Prytaneia über keinen kanonischen Grundriss...

  4. (pp. 9-28)
    Martin Steskal

    Während bereits früh Spekulationen über die Lokalisierung des ephesischen Prytaneions angestellt wurden, sollte die tatsächliche Identifizierung des Gebäudes erst ein gutes halbes Jahrhundert nach Beginn der österreichischen Forschungen in Ephesos erfolgen⁶² . So vermutete J. T. Wood in seiner Publikation von 1877 das Prytaneion noch im Badblock des Theatergymnasiums⁶³ ; J. Keil wiederum identifizierte das Prytaneion 1923 zunächst mit dem sog. Macellum westlich des Stadions⁶⁴ und schließlich 1939 mit dem Peristylhaus oberhalb des Theaters⁶⁵. Es blieb somit F. Miltner vorbehalten, diese zentrale topografische Frage in den Grabungsjahren 1955/1956 endgültig zu klären⁶⁶

    Der Beginn der von F. Miltner geleiteten Grabungsarbeiten im...

  5. (pp. 29-62)
    Martin Steskal

    Das 1 170 m² große Prytaneion in Ephesos besaß einen klar akzentuierten Grundriss, der erst in späterer Zeit komplex überformt wurde (Taf. 30. 31. 249–254). Die sich im Norden des Gebäudes befindlichen Raumeinheiten konnten über einen Vorhof im Süden und eine nördlich anschließende Vorhalle erschlossen werden²²³ .Über die Vorhalle gelangte man in den im Osten befindlichen ›Hestiasaal‹ (Raum 1) sowie in den später abgemauerten Querraum nördlich davon (Räume 2, 3 und 4). Westlich des ›Hestiasaales‹ befanden sich ursprünglich zwei Räume (Raum 5 und 6), wobei der nördliche Teil des nördlichen Raumes 5 in späterer Zeit in zwei kleinere Raumkompartimente unterteilt...

  6. (pp. 63-76)
    Martin Steskal

    Aufgrund der zahlreichen Grabungen, die vor allem in den 1950er und 1960er Jahren im Areal des Prytaneions durchgeführt worden waren (Taf. 16), verblieben nur noch wenige ungestörte Flächen für stratigrafische Untersuchungen. Zur Klärung der Nutzungsgeschichte und der Bauphasen des Prytaneions konnten aber dennoch in den Grabungskampagnen der Jahre 2007/2008 insgesamt sechs Sondagen angelegt werden 318. Neben den Fragestellungen zu einem möglichen Vorgängerbau, den unterschiedlichen Nutzungsphasen, der Zerstörung, der Aufgabe und Nachnutzung des Gebäudes galt es, grundrisstypologische Probleme zu lösen.

    Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Arbeiten dargestellt (Taf. 137)³¹⁹.

    Um eine Datierung für die Errichtung der dorischen Vorhalle zu erhalten...

  7. (pp. 77-84)
    Martin Steskal

    Als Ergebnis der kontextuellen Analyse des stratigrafischen und architektonischen Befundes des Prytaneions können im Wesentlichen drei große Bauphasen unterschieden werden. Zusätzlich sind aber auch Baumaßnahmen zu konstatieren, die lediglich epigrafisch überliefert und nur mit Vorbehalt einer der großen Bauphasen zuzuordnen sind. Erschwert wird die definitive Zuweisung der jeweiligen Adaptierungen und Modifikationen durch die massiven Grabungsaktivitäten der 1950er und 1960er Jahre ohne entsprechende Dokumentation sowie durch den Umstand, dass bei der Neuuntersuchung nur noch wenige ungestörte Flächen für stratigrafische Grabungen zur Verfügung standen. Die großen Bauphasen sind daher zum Teil schwer, kleinere, nur punktuell lokalisierbare Interventionen kaum zu datieren. Die in...

  8. (pp. 85-174)
    Martin Steskal

    In den stratifizierten Kontexten im Areal des Prytaneions fanden sich an diagnostischen Fundstücken lediglich Objekte aus Keramik, Münzen und Fragmente von Architekturgliedern. Das Fehlen von Kleinfunden, Objekten aus Glas und anderem stellt somit kein Desiderat dar, sondern spiegelt lediglich das Fundspektrum der Grabungen 2007–2009 wider.

    Die hier präsentierte Auswertung basiert auf 19 106 diagnostischen Keramikfragmenten, die sich auf 30 stratigrafische Einheiten verteilen (Abb. 7)⁴¹⁶. Sie wurden statistisch erfasst und grob klassifiziert, d. h. in Gattungen bzw. – wo möglich – Waren eingeteilt. Das Hauptaugenmerk bei der Bearbeitung lag auf einer zeitlichen Einordnung der einzelnen Fundkomplexe, wogegen keramologische Fragestellungen weitgehend unberücksichtigt blieben....

  9. (pp. 175-210)
    Martin Steskal

    An Marmorböden hat sich lediglich im ›Hestiasaal‹ ein entsprechendes Paviment zu knapp 50% erhalten (Taf. 65, 2). Der zur ersten, augusteischen Bauphase gehörige Boden besteht aus langrechteckigen, ca. 3 cm starken Platten aus lokalem, fast weißem Marmor. Die Eckverbindungen der Platten sind teilweise in Form von Gehrungen ausgebildet. Der Boden weist südlich des zentralen Fundaments eine U-förmige Gliederung durch schmälere Platten auf, die den Eingangsbereich nördlich von Tür 3 bis zum zentralen Fundament betont (Taf. 30). Im Raum zwischen den Unterkonstruktionen der östlichen Sitzbänke ist noch eine Versatzmarke zu erkennen, die von der Aufstellung der ursprünglich wohl hölzernen Sitzbänkekönnte. Auch...

  10. (pp. 211-222)
    Martin Steskal

    Die funktionsmäßige Bestimmung der Anlage ist epigrafisch gesichert: Es handelt sich um das Heiligtum der Hestia Boulaia⁷⁵³ und somit um das Prytaneion von Ephesos. Der Bau beheimatete die Hestia der Stadt, auf der das ewige Feuer brannte. Er diente als Amtslokal der Prytanen; er war zudem das Gebäude, in dem die Prytanen sowie ausgewählte Bürger und Fremde auf Staatskosten verköstigt wurden.

    Somit beinhaltete die ephesische Anlage alle drei Grundfunktionen eines Prytaneions: Sie war Ort der Hestia, Amtslokal der Prytanen und Lokal ehrenvoller Speisungen auf Staatskosten. Auch die urbanistische Einbindung des Gebäudes, und zwar die Lage an der Agora, dem politischen...

  11. (pp. 223-232)
    Martin Steskal

    Die folgende Zusammenstellung soll einen Überblick über die weiteren bekannten und vermuteten Prytaneia in Kleinasien bieten. Der Publikationsstand erweist sich auch in diesem Kontext als überaus heterogen; die tatsächliche Identifizierung der hier vorgestellten Gebäude als Prytaneia ist zudem, wie gezeigt wird, nicht immer sicher. Dargestellt werden die relevanten Bauten von Aigai, Herakleia am Latmos, Kolophon, Magnesia am Mäander, Milet, Pergamon und Priene.

    Das zwischen den Städten Izmir und Bergama gelegene äolische Aigai, in dem aktuell groß angelegte Feldforschungen von der Ege Üniversitesi in Izmir vorgenommen werden824, beheimatet an der Nordwestecke der Agora ein Gebäude, das vor seiner Freilegung u. a....

  12. (pp. 233-258)
    Martin Steskal

    Im letzten Jahrzehnt vor der Zeitenwende wird im Norden des ephesischen ›Staatsmarktes‹ ein Gebäude errichtet, das uns heute als eines der wenigen sicher identifizierten Prytaneia der griechisch-römischen Welt bekannt ist. Die überzeugende Deutung des Baus als Prytaneion und Heiligtum der Hestia Boulaia gelang bereits im Zuge der Ausgrabungen von F. Miltner in den Jahren 1955 und 1956, der die Anlage in zügigen Arbeitsschritten bis auf das jeweils jüngste erhaltene Bodenniveau freilegte. Neben dieser heute weitgehend akzeptierten Identifizierung des Komplexes als Amtssitz der Prytanen und zentrales städtisches Kultgebäude, die epigrafisch belegt ist, konnte bereits Miltner mehrere Bauphasen unterscheiden. Trotz weiterer eingehender...

  13. (pp. 239-242)
    Martin Steskal

    In the last decades of the 1stcentury BCE a building was constructed to the north of the Ephesian ›State Agora‹. This building is one of the few securely identified prytaneia known from the Greco-Roman world. An interpretation of the building as a prytaneion and sanctuary of Hestia Boulaia was already convincingly argued during the excavations in 1955 and 1956 by F. Miltner who in his fast paced excavations reached the youngest preserved levels of the structure. Besides this widely accepted identification of the structure as the seat of the prytaneis and central cult building, which is attested epigraphically, Miltner...

  14. (pp. 243-246)
    Martin Steskal

    İ.Ö. 1. yüzyılın son on yıllık zaman dilimi içerisinde Efes’in devlet agorasının kuzeyinde, bugün Yunan- Roma dünyasının kesin olarak teşhis edilebilen az sayıdaki Prytaneion’larından olan bir yapı inşa edilmiştir. F. Miltner’in 1955 ve 1956 yıllarında yaptığı ve hızlı bir çalışma temposu ile en erken taban seviyesine kadar indiği kazılar sonucunda yapı Prytaneion ve Hestia Boulaia’nın kutsal alanı olarak tanımlanmıştır. Günümüzde genel olarak kabul görmüş olan Prytanların ana binası ve epigrafik yönden de kanıtlanan, şehrin ana kült yapısı gibi tanımlamaların yanı sıra Miltner birçok yapı evresini de ayırt edebilmiştir. 1960’ların başlarında W. Alzinger yönetiminde yapılan, taban seviyesinin altına inen birçok sondajın...

Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License (CC BY-NC-ND 4.0)
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